Was sind Radial- und Axiallasten bei Getrieben?

Erfahren Sie mehr über Radial- und Axiallasten bei Getrieben, ihre Ursachen, die Berechnung von Lasten auf Ritzeln und Riemenscheiben sowie wichtige Hinweise zur Getriebewahl.
Was sind Radiallast und Axiallast bei Getrieben?
Radiallast und Axiallast bei Getrieben sind zwei Arten externer Kräfte, die direkt auf die Abtriebswelle wirken. Dies sind Parameter, die neben Motorleistung, Übersetzung und Drehmoment bei der Auswahl eines Getriebes überprüft werden müssen.
Ein Getriebe kann zwar das erforderliche Drehmoment liefern, aber dennoch vorzeitig ausfallen, wenn Kettenräder, Riemenscheiben, Trommeln oder Lastmechanismen Kräfte erzeugen, die die Belastbarkeit der Welle und der Lager überschreiten. Häufige Folgen sind überhitzte Lager, Vibrationen, erhöhtes Spiel, Ölleckagen oder Verformungen der Abtriebswelle.
Was ist eine Radiallast bei Getrieben?
Die Radiallast bei Getrieben ist eine Kraft, die senkrecht zur Mittellinie der Abtriebswelle wirkt. Das üblicherweise verwendete Symbol ist FR.
Äquivalente Fachbegriffe sind:
Radial load
Overhung load
OHL
Radial force
Radiallasten entstehen typischerweise, wenn an der Getriebewelle folgende Komponenten montiert sind:
Kettenräder
Riemenscheiben
Zahnräder
Trommeln
Räder
Antriebselemente, die versetzt zum Lager montiert sind
Wenn ein Getriebe beispielsweise ein Förderband über ein Kettenrad antreibt, erzeugt die Kettenspannung eine Querkraft auf die Welle. Wenn diese Kraft zu groß ist, kann sich die Welle verbiegen und die Abtriebslager werden überlastet.
Was ist eine Axiallast bei Getrieben?
Die Axiallast ist eine Kraft, die parallel zur Wellenachse wirkt. Das üblicherweise verwendete Symbol ist FA.
Äquivalente Fachbegriffe sind:
Axial load
Thrust load
Axial force
Axiallasten können auftreten bei:
Schneckenförderern
Rührwerken mit Schubkraft
Press- oder Schubmechanismen
Schrägverzahnungen
Kegelrädern
Zug- oder Druckbelastungen der Welle
Falsch ausgerichteten Kupplungen in axialer Richtung
Die Axialkraft wirkt direkt auf die Axiallager, die Welle und die internen Positionierungselemente im Getriebe.
Vergleich von Radiallast und Axiallast
Kriterium | Radiallast | Axiallast |
|---|---|---|
Symbol | FR | FA |
Wirkungsrichtung | Senkrecht zur Welle | Parallel zur Welle |
Englische Bezeichnung | Radial load, overhung load | Axial load, thrust load |
Ursprung | Kettenräder, Riemenscheiben, Zahnräder, Trommeln | Schneckenförderer, Zugkraft, Schubkraft, Schrägverzahnung |
Betroffene Komponenten | Welle, Lager, Wellendichtring | Axiallager, Welle, Positionierungselemente |
Warum ist die Position von Kettenrädern und Riemenscheiben so wichtig?
Die Radiallast hängt nicht nur von der Größe der Kraft ab, sondern auch vom Abstand des Kraftangriffspunkts zum Abtriebslager.
Grundlegender Zusammenhang:
Biegemoment = Radiallast × Kraftangriffsabstand
Je weiter das Kettenrad oder die Riemenscheibe von der Wellenschulter entfernt montiert ist, desto größer ist das Biegemoment. Daher kann bei gleicher Last die Lebensdauer von Welle und Lager durch unterschiedliche Montagearten erheblich variieren.
Bei der Montage sollte beachtet werden:
Montieren Sie das Kettenrad oder die Riemenscheibe so nah wie möglich an der Wellenschulter.
Lassen Sie die Nabe nicht zu weit über das Wellenende hinausragen.
Spannen Sie Riemen und Ketten korrekt.
Führen Sie vor der Inbetriebnahme eine genaue Ausrichtung durch.
Schlagen Sie Kettenräder oder Riemenscheiben nicht mit einem Hammer auf die Welle.
Verwenden Sie bei langen Wellen oder hohen Lasten ein zusätzliches Außenlager.
Vorläufige Berechnung der Kraft auf Kettenräder oder Riemenscheiben
Die zur Drehmomentübertragung erforderliche Umfangskraft kann mit folgender Formel abgeschätzt werden:
Ft = 2T / d
Dabei gilt:
Ft: Umfangskraft in N
T: Drehmoment an der Welle in Nm
d: Wirkdurchmesser in m
Wenn der Durchmesser in Millimetern eingegeben wird:
Ft = 2.000 × T / d
Beispiel für die Berechnung der Kraft auf ein Kettenrad
Ein Getriebe weist folgende Daten auf:
Abtriebsdrehmoment: 200 Nm
Wirkdurchmesser des Kettenrads: 200 mm
Umfangskraft:
Ft = 2.000 × 200 / 200 = 2.000 N
Der Wert von 2.000 N ist die zur Drehmomentübertragung erforderliche Umfangskraft. Dies entspricht nicht zwangsläufig der tatsächlichen Radiallast, die auf das Lager wirkt.
Die tatsächliche Last hängt zudem ab von:
Der Zugkraft im Last- und Leertrum der Kette
Der Vorspannung des Riemens
Dem Gewicht von Kettenrad, Riemenscheibe oder Trommel
Dem Umschlingungswinkel
Der Zähnezahl des Kettenrads
Stoßbelastungen
Dem Abstand des Kraftangriffspunkts zur Wellenschulter
Nach Ermittlung der tatsächlichen Last muss diese mit den zulässigen Lastgrenzen des jeweiligen Getriebemodells abgeglichen werden.
Können Radiallast und Axiallast gleichzeitig auftreten?
Ja. In vielen Mechanismen ist die Abtriebswelle gleichzeitig folgenden Belastungen ausgesetzt:
Drehmoment
Radiallast
Axiallast
Biegemoment
Stoßbelastung
Wechselbelastung
Wenn FR und FA gleichzeitig auftreten, kann die Tragfähigkeit des Lagers geringer sein als bei Vorliegen nur einer Kraftart.
Es sollte kein festes Verhältnis zwischen Radial- und Axiallast für alle Getriebe angewendet werden. Die Tragfähigkeit hängt ab von:
Der Getriebegröße
Dem Wellendurchmesser
Art und Größe der Lager
Dem Abstand zwischen den Lagern
Der Position des Kraftangriffs
Der Zug- oder Druckrichtung
Der Einbaulage
Der Abtriebsdrehzahl
Der Betriebsdauer
Dem Grad der Stoß- und Wechselbelastung
Anzeichen für eine Überschreitung der externen Lastgrenzen
Bei übermäßiger Radial- oder Axiallast können am Getriebe folgende Probleme auftreten:
Ungewöhnliche Erwärmung der Lager
Vibrationen am Wellenende
Summ- oder Klopfgeräusche
Durchbiegung der Abtriebswelle
Erhöhtes Wellenspiel
Exzentrischer Lauf des Wellendichtrings
Ölleckage
Ungleichmäßiger Verschleiß der Zahnräder
Verkürzte Lebensdauer der Lager
Verformung oder Bruch der Welle
Diese Phänomene werden leicht mit Ölmangel oder Getriebeschäden verwechselt. Die tatsächliche Ursache kann jedoch eine zu hohe externe Last oder eine zu weit vom Wellenabsatz entfernte Montage der Antriebskomponenten sein.
Wann ist ein externes Lager erforderlich?
Der Einsatz eines externen Lagers sollte in Betracht gezogen werden, wenn:
Trommeln oder Riemenscheiben ein hohes Eigengewicht aufweisen
Kettenräder weit vom Wellenabsatz entfernt montiert sind
Die Lastwelle lang ist
Der Riemen eine hohe Vorspannung erfordert
Die Kette Stoßbelastungen ausgesetzt ist
Die Maschine häufig die Drehrichtung wechselt
Das Getriebe die gesamte Last direkt trägt
Die Radiallast die Tragfähigkeit der Abtriebslager überschreitet
Ein externes Lager hilft dabei, die Kräfte auf die Maschinenstruktur zu übertragen und entlastet so die Welle und die Lager des Getriebes.
Das externe Lager muss konzentrisch zur Welle ausgerichtet sein. Bei exzentrischer Montage kann das Lager zusätzliche Lasten erzeugen, anstatt diese zu reduzieren.
Methoden zur Reduzierung der Radiallast am Getriebe
Folgende Maßnahmen können angewendet werden:
Vergrößerung des Durchmessers von Kettenrädern oder Riemenscheiben, sofern die Maschinenbedingungen dies zulassen.
Montage der Antriebskomponenten nahe am Wellenabsatz.
Korrektes Einstellen der Riemen- und Kettenspannung.
Verwendung von Direktkupplungen, wo dies geeignet ist.
Installation separater Lager für Trommeln, Riemenscheiben oder lange Wellen.
Reduzierung von Stoßbelastungen beim Anlauf.
Wahl eines Getriebes mit stärkerer Welle und größeren Lagern.
Überprüfung der Konzentrizität zwischen Getriebe und Maschinenwelle.
Vermeidung der vollständigen Lastaufnahme durch das Getriebe.
Neuberechnung bei Änderungen des Durchmessers von Kettenrädern oder Riemenscheiben.
Erforderliche Informationen für die Getriebeauswahl
Zur Überprüfung der Radial- und Axiallasten sind folgende Angaben erforderlich:
Motorleistung und Drehzahl
Übersetzungsverhältnis
Abtriebsdrehzahl
Lastmoment
Lastart: gleichmäßig, stoßartig oder reversierend
Auf der Welle montierte Komponenten
Durchmesser von Kettenrädern, Riemenscheiben oder Zahnrädern
Abstand vom Kraftangriffspunkt zum Wellenabsatz
Riemen- oder Kettenspannung
Gewicht der Riemenscheibe oder Trommel
Axiallast in Zug- oder Druckrichtung
Montageart: Fuß- oder Flanschmontage
Tägliche Betriebsdauer
Anzahl der Anläufe oder Drehrichtungsumkehrungen
Bei Getriebemotoren und Getrieben von DSK, Nara Samyang oder NK ist die Auswahl gemäß dem spezifischen Modell, den Wellenabmessungen und den tatsächlichen Einbaubedingungen zu treffen.
Häufig gestellte Fragen
Erzeugen Kettenräder eine Radiallast?
Ja. Die Kettenspannung wirkt auf das Kettenrad und erzeugt eine Kraft senkrecht zur Abtriebswelle des Getriebes.
Beeinflussen Riemenscheiben die Lager von Getrieben?
Ja. Eine zu hohe Riemenspannung oder eine zu weit vom Wellenabsatz entfernte Montage der Riemenscheibe erhöht die Radiallast und das Biegemoment, was zu einer schnellen Erwärmung oder zum Verschleiß der Lager führt.
Erzeugen Kupplungen eine Radiallast?
Korrekt ausgerichtete Kupplungen erzeugen in der Regel nur geringe externe Lasten. Versatz, Winkelfehler oder axiale Verspannungen der Wellen können jedoch die Belastung auf Welle und Lager erhöhen.
Hilft eine Vergrößerung des Kettenraddurchmessers bei der Lastreduzierung?
Bei gleichbleibendem Drehmoment reduziert eine Vergrößerung des Wirkdurchmessers des Kettenrads die erforderliche Umfangskraft. Dennoch müssen Kettengeschwindigkeit, Einbaumaße und die Gesamtlast des Mechanismus überprüft werden.
Wie hoch ist die zulässige Axiallast eines Getriebes?
Es gibt keinen universellen Wert für alle Getriebe. Die Belastbarkeit hängt vom Modell, der Wellenausführung, der Lagerkonstruktion, der Einbaulage, der Kraftrichtung und den Betriebsbedingungen ab.
Ist die Auswahl eines Getriebes nur nach Drehmoment ausreichend?
Nein. Neben dem Drehmoment müssen Radiallast, Axiallast, Lastfaktor, Drehzahl, Krafteinleitungspunkt und Betriebsdauer berücksichtigt werden.
MDriveTech Beratung zur Getriebeauswahl
MDriveTech unterstützt bei der Auswahl von Getriebemotoren sowie DSK-, Nara Samyang- und NK-Getrieben für:
Förderbänder
Schneckenförderer
Rührwerke
Verpackungsmaschinen
Trommelwickler
Hebezeuge
Industrielle Antriebssysteme
Für eine präzise Überprüfung sollten Kunden Bilder der Maschine, das Motortypenschild, die Abtriebsdrehzahl, das Lastmoment, die Abmessungen von Kettenrad oder Riemenscheibe sowie Zeichnungen der Einbausituation bereitstellen.
Hotline: 0868 789 647
E-Mail: [email protected]
Fazit
Radiallasten wirken senkrecht zur Welle, während Axiallasten parallel zur Wellenmittellinie wirken. Beide beeinflussen direkt die Lager, die Welle, die Wellendichtringe und die Lebensdauer des Getriebes.
Bei der Getriebeauswahl sollten nicht nur Leistung, Übersetzung und Drehmoment geprüft werden. Es ist entscheidend, externe Lasten, die Position von Kettenrad oder Riemenscheibe, den Abstand zum Wellenabsatz und die tatsächlichen Betriebsbedingungen zu bestimmen, um das richtige Modell auszuwählen.







